Die letzten Tage war und bin ich sehr melancholisch, denke viel nach, fühle noch mehr nach und bin ratlos wie eh und je. Und irgendwie doch nicht. Jeden Tag komme ich einen Schritt weiter, spreche mehr und mehr die gleiche Sprache wie mein Inneres und komme zum Kern zurück.
Wenn es einem schlecht geht und man unglücklich, unzufrieden oder unausgeglichen ist, dann erforscht selbst der unreflektierteste Mensch wohl, worin der Grund besteht. Aber das ist tückisch, denn unsere wahren Gefühle und Bedürfnisse mögen den Zwiebellook - man muss sich erst durch einige oberflächliche und alibi-mäßige Gründe wühlen, die einem auf dem einfachen Weg begegnen.
Gräbt man aber weiter durch all die unschönen Dinge, die man sich garnicht eingestehen mag, so stößt man auf Dinge, die noch viel schwieriger einzugestehen und zu verdauen sind und die kleine große Welt in einem drin ordentlich durchwühlen. Da merkt man: Ha! ich hab's geschafft.
Auf Probleme sollten natürlich immer Lösungen folgen, aber davon will ich garnicht sprechen. Sondern von der Herausforderung, sich selbst zuzuhören. Mir wird ewas schlecht wenn ich mitbekomme, wie leichtfertig Menschen mit sich selbst umgehen, wie grässlich oberflächlich so viel Wichtiges bleibt, wie inflationär z.B. schöne und hilfreiche Zitate und weisen Menschen unter affige Selfies gesetzt werden und damit nur umso mehr unterstreichen, wie wenig die betreffende Person es eigentlich begriffen hat. Abseits des Zitat-Mainstreams bin ich auf eine Sammlung gestoßen, die in mir sehr großen Anklang gefunden hat.
Im letzten Jahr war ich drei Wochen wandern, wovon zwei Wochen lang in einem Nationalpark ohne Handyempfang, Zivilisation, Bücher, Spiele, Musik und sonstige Ablenkungen vergingen. Etwas Derartig Einfaches und gleichzeitig so unglaublich Schwieriges habe ich bisher kaum erlebt: Mit sich allein sein. Es ist nicht unbekannt, dass man heutzutage überreizt, desensibilisiert und zu sehr von sozialen Netzwerken abhängig ist. Wie schwerwiegend dieses Problem aber eigentlich ist, wozu es uns verleitet, was es in uns macht, welche Barrieren und Mauern es in uns drin aufbaut, was es mit unserer zwischenmenschlichen Kommunikation macht und uns von uns selbst entfremdet, fällt erst in diesem Moment auf. Diese drei Wochen waren für mich grundlegend verändernd, ich habe das erste Mal meinen Kern kennengelernt und erfahren, dass er nur aus Liebe besteht. Aus einer, die mich, als ich sie fand, unglaublich erfüllte, mich übersprudeln ließ und die Welt in einer ganz einfach Sicht sehen ließ. Nach Tagen voller Anstrengungen, vielen vielen Tränen, vielen Kämpfen mit mir selbst, in denen ich Baustellen in mir entdeckte, denen ich mich nie widmete, die ich kaum erahnte, ja nach dieser einzigen großen Buddelaktion durch meine ganzen Schutzschichten, damit mich ja keiner verletzen kann - danach habe ich die Liebe wahrhaftig gefunden. Darüber, hier wieder angekommen, zu sprechen, zeigte mir, wie schräg unsere Verbindung zur Liebe ist. Alle sprechen davon, von der romantischen Liebe. Aber von der alles überwältigenden, göttlichen, menschlichen, spirituellen, natürlichen, und kaum beschreiblichen Liebe zu sprechen, von der Erfahrung, sich selbst zu akzeptieren und lieben zu können, davon spricht niemand. Wie auch? Als ich davon sprach merkte ich die Verlegenheit, das betretende Schweigen, die Unsicherheit. Es klinge so kitschig, so pathetisch. Das ließ mich zusammenbrechen...was für eine traurige Feststellung. Wir sind Wesen voller Potenzial, wenn wir wollten könnten wir unermesslich viel Liebe fühlen und tragen, aber wir wollen nicht. Wir schützen diesen kostbaren Kern und schippen Schicht für Schicht Schutz darauf, Schicht für Schicht Anonymität, Egoismus, Sarkasmus, Schadenfreude, Unreflektiertheit und Distanzierung.
Und wer buddelt uns aus der Scheiße wieder raus? Jep, das können nur wir selbst. Ist ja aber viel zu anstrengend und kompliziert. Und tut weh. Und wenn was weh tut, ist es viel leichter, sich mit einem traurigen Lied, einem heuchlerisch klugen Zitat auf Facebook etc. auszuheulen und in seiner Selbstmitleidssuppe zu schwimmen. Also lassen wir das.
Traurig, traurig. Als ich von dieser traurigen Feststellung hier getroffen wurde, musste ich wieder hoch finden, zurück finden. Das habe ich zum Glück geschafft. Und wie oben erwähnt wirklich hilfreiche Zitate gefunden, die einen unglaublichen Wert innehaben, wenn man den Inhalt dessen schonmal wahrhaftig erlebt hat. Hier zwei Beispiele:
"Fühl dich nicht einsam. Das ganze Universum ist in dir." ja. Ja. JA! Und es ist ein abgefahrenes Gefühl.
"Deine Aufgabe ist es nicht, nach Liebe zu suchen, sondern lediglich alle Barrieren in dir selbst zu suchen und zu finden, die du gegen sie aufgebaut hast."
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Warum schreibe ich diesen Schwall überhaupt? Nicht weil ich ein Moralapostel bin, sondern ein Mensch. Gerade bin ich wieder in einem Loch gelandet, aus dem ich schwer wieder hochkam, weil ich mehr Gewichte an meinen Füßen hatte, als gedacht. Nach einigen Tagen des Suchens habe ich nun gefunden und formulieren können, was mich bedrückt. Wie auch schon oben beschrieben ist dies fast ein "geschafft!"-Erfolg, denn: Das ist das Schwerste. Es ist so unglaublich schwer. Wo es heutzutage viel um das Vorangehen, um die Geschwindigkeit und das Lösen von Problemen geht, ist dieses Innehalten, Reflektieren und Erörtern Gold wert. Denn es bringt mich immer wieder zu meinem Kern zurück, den ich vor mehr als einem Jahr gefunden habe und der für mich seitdem stetig Motivation ist. Jetzt gerade bin ich noch nicht glücklich, aber in mir drin bewegt sich alles, das ist gut. Es ist besser als Stagnation und Festigung. Ich weiß, dass ich über diesen Weg glücklich werden kann.
Und das wünsche ich jedem von ganzem Herzen: Buddelt tiefer und findet diese großartige Kraft. Denn "Du hast in deinem Innersten mehr Liebe, als Du je verstehen kannst."
Interessante Gedanken! Auch wenn ich mir nicht sicher bin ob ich mit allem konform gehen kann, so stoßen sie doch zum Nachdenken an
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